Körper und Geist gehören doch zusammen

3. Oktober 2009 at 1:04 pm Hinterlasse einen Kommentar

Sport macht schlau – von Stephan Lüke

Deutsche Grundschulkinder sind nicht mehr so sportlich wie früher. Und das hat dramatische Folgen. Denn mit steigendem Übergewicht schwindet nicht nur ihre körperliche Fitness, sondern auch Konzentrations- und kognitive Leistungsfähigkeit. Davor warnt die Deutsche Sporthochschule Köln.
Seit 2006 unterstützt der von der Hochschule ins Leben gerufene gemeinnützige Verein „Klasse in Sport – Initiative für täglichen Schulsport“ (KIS) 42 Grundschulen in Nordrhein-Westfalen beim Ausbau ihres Sportangebots. Lehrer und Übungsleiter garantierten, dass die Grundschüler mindestens eine Stunde Bewegung pro Tag bekamen. Die am Donnerstag präsentierten Ergebnisse der damit verbundenen wissenschaftlichen Evaluation belegen: „Sport macht schlau.“ Die von der Hochschule befragten Lehrer der insgesamt mehr als 2800 beobachteten Kinder stellten fest: „Jedes dritte Kind wirkt konzentrierter.“

Wie groß der Leistungsunterschied ausfällt, offenbaren ein paar Vergleichszahlen in der aktuellen Studie. Während ein normalgewichtiger Zehnjähriger, der in Sport eine Durchschnittsnote von 1,78 hat, es in den Fächern Deutsch auf eine 2,45 und in Mathe auf eine 2,49 bringt, schneiden Übergewichtige schlechter ab (Sport: 2,16, Deutsch: 2,74, Mathe: 2,52). Ein Lebensjahr später fällt der Unterschied noch gravierender aus: Der übergewichtige Schüler fällt in Mathe um fast eine ganze Zensur (0,73) hinter dem normalgewichtigen zurück. Nach wie vor aber fristen Fächer wie Sport, Kunst und Musik in deutschen Schulen häufig ein Schattendasein. „Sprachen und Naturwissenschaften sind bei der Besetzung von Lehrerkollegien dominant“, heißt es.

Höhere Konzentration
Sportunterricht zähle eher zu den Fächern, die zuerst von Kürzungen und Unterrichtsausfall betroffen seien, beklagen die Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule. Dabei berufen sie sich unter anderem auf Zahlen und Erkenntnisse der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW. Sie hat festgestellt, dass von drei im Lehrplan vorgesehenen Sportstunden pro Woche oft nur zwei stattfinden. „Das ist allein in NRW ein Ausfall von 40 000 Sportstunden wöchentlich“, so die GEW.

Verbrieft ist das Beispiel des Schwimmunterrichts an einem Gymnasium in einer westdeutschen Großstadt. Zwei Stunden Schwimmen stehen dort in einem Halbjahr auf dem Programm der Fünftklässler. Gut 30 Minuten dauern Hin- und Rückfahrt zum Schwimmbad, weitere 20 gehen für Umziehen, Duschen und Föhnen verloren. Übrig bleiben 40 Minuten Unterricht – einmal pro Woche, ein halbes Schuljahr lang. „Darauf könnten Schüler wie Lehrer auch verzichten“, meint ein frustrierter Sportlehrer, der lieber nicht genannt werden möchte und hinzufügt: „Mit dieser misslichen Situation steht unsere Schule nicht allein da. Das ist normal.“

Die aktuelle Untersuchung aus Köln belegt dabei, dass die tägliche Sportstunde die Einstellung der Kinder zur Bewegung positiv beeinflusst. Der Behauptung „Ich kann mich besser konzentrieren, wenn ich mich häufiger bewege“ stimmten die meisten befragten Kinder zu. Noch mehr bestätigten: „Tägliche Bewegung ist für mich wichtig.“ Innerhalb der drei Jahre, in denen sie täglich Sport gemacht hatten, konnten sie zudem Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Schnelligkeit um durchschnittlich 40 Prozent verbessern.

Ergänzt werden die Ergebnisse aus Köln von Wissenschaftlern der Universität Regensburg. Sie untersuchten jüngst den Einfluss des Jonglierens auf die mentale Rotationsleistung, sprich die Fähigkeit, sich Objekte gedreht vorzustellen. Das Ergebnis bestätigte ihre Vermutung. Sämtliche Erwachsenen und Kinder, die an einem dreimonatigen Jongliertraining teilnahmen, schnitten anschließend beim Rotationstest signifikant besser ab.

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Erscheinungsdatum 02.10.2009 | Ausgabe: d

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