Besser als ihr Ruf: Bildungsmaßnahmen am Übergang Schule – Berufsausbildung

8. Januar 2010 at 3:01 pm 1 Kommentar

Sinnlose Warteschleife, „verlorene“ Zeit, Maßnahmekarrieren – dem Übergangssystem haften viele, überwiegend negative Eigenschaften an. Eine neue Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigt jedoch, dass das Übergangssystem – bei aller berechtigten Kritik – besser ist als sein Ruf. Vor allem Jugendliche ohne Schulabschluss oder mit Hauptschulabschluss können ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz deutlich verbessern, wenn sie eine Übergangsmaßnahme durchlaufen. Dies gilt insbesondere, wenn sie dort auch noch einen höherwertigen Schulabschluss erreichen. Für Realschulabsolventen/-innen entsteht der Vorteil, dass sie zum Beispiel mit dem Erwerb der Fachhochschulreife ihre Ausbildungsmöglichkeiten erweitern. Allerdings: Ihre Chancen, in eine vollqualifizierende Berufsausbildung einzumünden, erhöhen sich durch eine abgeschlossene Übergangsmaßnahme nicht nachweislich.

Schlussfolgerungen der BIBB-Studie:

  • Für Jugendliche, denen die für eine Ausbildung erforderlichen Voraussetzungen nicht durch die allgemeinbildende Schule vermittelt werden konnten, haben Bildungsmaßnahmen im Übergangssystem eine unverzichtbare Funktion. Dies gilt insbesondere für die berufsvorbereitenden Maßnahmen (BvB) der Bundesagentur für Arbeit und das schulische Berufsvorbereitungsjahr (BVJ). Durch diese Maßnahmen werden diese Jugendlichen erst in die Lage versetzt, erfolgreich eine Berufsausbildung zu durchlaufen.
  • Für Jugendliche, die nach Beendigung der allgemeinbildenden Schule noch einen höherwertigen Schulabschluss erreichen wollen, haben teilqualifizierende Bildungsgänge ebenfalls eine wichtige Funktion, die in vielen Fällen auch erfolgreich erfüllt wird. So erwirbt mehr als die Hälfte der Absolventen/-innen von teilqualifizierenden Berufsfachschulen – zum Beispiel Handelsschulen – einen höherwertigen Schulabschluss.
  • Allerdings: Wenn Jugendliche die erforderlichen Voraussetzungen für eine Berufsausbildung besitzen und eine solche auch anstreben, dann bedeutet ihre (unfreiwillige) Teilnahme an solchen Bildungsmaßnahmen nur eine Notlösung und „verlorene“ Zeit. Denn eine Anrechnung der Übergangsmaßnahmen auf eine nachfolgende Ausbildung erfolgt nur selten.

Für BIBB-Präsident Manfred Kremer kann eine Lösung nur darin liegen, diesen ausbildungs- und berufsreifen Jugendlichen unmittelbar eine vollqualifizierende Ausbildung zu ermöglichen. „Nur so können unnötige Warteschleifen vermieden werden.“ Solange aber nicht genügend betriebliche Ausbildungsplätze für diese Jugendlichen zur Verfügung stehen, wären öffentlich finanzierte, außerbetriebliche Ausbildungsmöglichkeiten und die Ausweitung vollqualifizierender Berufsausbildung an beruflichen Schulen – auch in den Ausbildungsberufen nach dem Berufsbildungsgesetz – geeignete und notwendige Alternativen. „Alle Jugendlichen“, so Manfred Kremer, „müssen die Gewissheit haben, dass ihre Bildungsanstrengungen auch ohne Verzögerung in eine anerkannte Berufsausbildung führen. Ein frühzeitiger Bildungsausstieg aus Resignation, der mit hohen individuellen Lebensrisiken und beträchtlichen gesellschaftlichen Kosten verbunden ist, ist am Ende teurer als eine öffentlich finanzierte Berufsausbildung.“

Quelle:
http://www.bibb.de/de/52462.htm

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1 Kommentar Add your own

  • 1. Vecka Nülla  |  3. Februar 2011 um 5:48 pm

    Da fragt man sich beim groben Überfliegen von modernlernen.wordpress.com ja schon, ob man selbst nicht komplett bescheuert war. Dankeschön für Ihre Erläuterungen

    Antwort

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