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Einstein hatte Recht

einstein„Ich fürchte den Tag wenn Technology unsere Wechselbeziehungen beeinflusst. Die Welt wird Generationen von Idioten haben.”

kidshandy

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14. Dezember 2013 at 12:42 pm Hinterlasse einen Kommentar

„Das Internet vermanscht unser Hirn“

Von Ulrich Machold und Michael Paustian

Macht uns zu viel Zeit am Computer kaputt, oberflächlich, vergesslich – krank? Diese These stellt FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher (50) auf.* Im großen BILD-Interview warnt der Autor: „Das Internet vermanscht unser Hirn.“

BILD: Herr Schirrmacher, wann haben Sie das letzte Mal etwas gegoogelt – und fühlten Sie sich danach schlauer?

Schirrmacher: Heute Morgen. Äh … das war … – ich weiß es nicht mehr. Also, schlauer habe ich mich schon gefühlt. Aber ich bin offenbar nicht klüger geworden.

BILD: Wenn man Ihr Buch (Payback) liest, muss man sich fragen: Macht uns das Internet sogar dumm?

Schirrmacher: Zunächst macht es uns nachweislich vergesslich. Es verändert sich, wie wir jetzt wissen, wirklich etwas im Gehirn. Das hat mit der Reizüberflutung zu tun. Ich glaube, jeder kennt es, dass man sich nicht mehr an die letzte Mail, den nächsten Termin erinnert. Wir müssen uns ja auch an nichts mehr erinnern. Alles ist irgendwo gespeichert.

Wenn Sie heute schnell etwas suchen, entscheidet ein Programm, meist Google, was für Sie wichtig ist. Nehmen Sie die Schweinegrippe. Jeder kann im Internet seine Meinung dazu abgeben. Wir können jede Information jedes Erkrankten und Geimpften abrufen.

Wissen wir dadurch, ob wir uns impfen lassen sollen oder nicht? Nein.

BILD: Woran liegt das?

Schirrmacher: An zu vielen Informationen. Ich zitiere den Fall eines Teenagers, der im Monat 14 000 SMS schreibt und sendet. Warum sind immer mehr Menschen geistig erschöpft? Weil die Informationsflut uns zwingt, uns ständig zusammenzureißen.

Multitasking ist auch ein gutes Beispiel. Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass jede kleine Störung dazu führt, dass wir 25 Minuten brauchen, um uns wieder auf das ursprüngliche Thema zu konzentrieren. Und wir werden ständig durch Mails, SMS, Nachrichten gestört. Das ist tatsächlich so etwas wie Körperverletzung.

Das führt zu einer Vermanschung des Hirns. Und man kann Multitasking nicht lernen.

BILD: Wir leiden also unter Info-Dauerfeuer?

Schirrmacher: Genau. Push-Nachrichten, Online-Portale, SMS – oder das ständige Update: „Was machen meine Freunde gerade auf Facebook und Twitter?“

Früher haben wir uns Informationen gesucht, heute suchen die Informationen uns – ob wir wollen oder nicht.

BILD: Kontrolliert uns der Computer dann irgendwann mehr als wir ihn?

Schirrmacher: Das ist schon so. Fast

jeder verlässt sich im Auto auf ein Navigationssystem. Deshalb liest man in BILD alle paar Tage, wie jemand in den Fluss gefahren ist. Oder denken Sie an die Finanzkrise: Rechner haben entschieden, haben die Aktien ge- und verkauft. Die Banker hatten die besten Information der Welt. Aber niemand wusste mehr, wie diese Entscheidungen zustande gekommen waren. Der Preis für intelligente Maschinen sind weniger intelligente Menschen.

BILD: Sie schreiben, dass wir aufpassen müssen, dass wir am Ende nicht alle Entscheidungen den Maschinen überlassen.

Schirrmacher: Selbst in Beziehungen vertrauen wir Dating-Plattformen, die für uns entscheiden, wie die Liebe fürs Leben aussehen soll. Ist das richtig? Natürlich können diese schlauen Maschinen sehr viel besser kombinieren als wir. Und vieles können wir denen auch überlassen. Wir müssen aber wieder denken lernen.

BILD: Kann das noch schlimmer werden?

Schirrmacher: Und ob. Wenn in uns nur noch zählt, was berechenbar ist. Vor allem im Arbeitsleben: Es gibt schon Testläufe von Programmen, die die E-Mails von Angestellten überwachen. Anhand der Anzahl der Mails, ihrer Länge und der Zeit zwischen einer eingegangen Mail und ihrer Beantwortung bewerten die Programme dann, ob jemand gut oder schlecht arbeitet. Und wie lange er noch produktiv sein wird.

Selbst wenn wir die Computer ausschalten, bleiben wir im Netz gefangen. Denn wir sind als Daten existent: beim Arbeitgeber, beim Arzt, überall.

BILD: Würden Sie Ihrem Kind erlauben, sein ganzes Leben auf SchülerVZ zu posten?

Schirrmacher: Wenn es ginge, würde ich das verbieten. Das geht aber leider nicht. Deshalb muss man in der Bildung eher darauf achten, dass man ein neues Wissen vermittelt. Ich nenne in dem Buch die Erkenntnisse der amerikanischen Psychologieprofessorin Ellen Langer: Menschen, die für zwei Wochen von allen aktuellen Informationen abgeschieden waren, wurden nachweislich gesünder.

Oder Patienten: Stellt der Computer die Diagnose und der Arzt vermittelt sie vor einer Operation, benötigen die Menschen mehr Schmerzmittel, als wenn ein Arzt ihnen klarmacht, dass nichts Definitives vorhergesagt werden kann. Im Computerzeitalter müssen wir Unsicherheiten lehren.

BILD: Heißt das am Ende, dass Internet und Computer mehr schaden als nützen?

Schirrmacher: Nein. Das Internet ist erst einmal ein großartiges Werkzeug. Aber: So wie unsere Großeltern ihre Muskeln an Maschinen anpassen mussten, müssen wir das jetzt mit unserem Gehirn tun.

BILD: Wie denn? Brauchen wir Computer-Gehirnjogging?

Schirrmacher: Wir müssen darauf beharren, dass der Mensch kein Roboter ist, dass keine Schule, keine Universität, keine Krankenkasse ihn statistisch erfassen kann. Aber genau das passiert. Schauen Sie sich die Studentenproteste an. Sie sind sehr berechtigt. Hier wurde eine Ausbildung entwickelt, die Roboterhirne fördert, aber nicht das freie Denken.

21. Dezember 2009 at 11:23 pm Hinterlasse einen Kommentar

Generation Internet

Basti mag Emails nicht besonders. Sie sind ihm zu langsam, weil man immer so lange warten muss, bis sie beantwortet werden. Mit seinen Freunden tauscht sich der 17-Jährige nur über den Instant Messenger ICQ aus. Was für Mittdreißiger zum zentralen Kommunikationsmittel geworden ist, sehen Jugendliche längst als veraltet an: Schon 2005 hat eine Studie des „Pew Internet & American Life Project“ ergeben, dass Jugendliche nur noch Emails schreiben, wenn sie mit Erwachsenen kommunizieren.

Urs Gasser, Professor an der Universität St. Gallen, kennt zahllose Jugendliche wie Basti. Er nennt sie Digital Natives. Sie sind hineingeboren in eine Welt mit Internet und Handy, mit MP3 und Flatrate. Ein Leben ohne Google kennen sie nicht. Zusammen mit Professor John Palfrey erforscht Gasser die Digital Natives am Berkman Center for Internet and Society in Harvard. Darüber haben die beiden ein Buch geschrieben, es heißt „Generation Internet“. US-Experten preisen es als Grundlagenwerk und Pflichtlektüre für Eltern und Lehrer. Denen will das Buch helfen, die Digital Natives besser zu verstehen. Es soll erklären, wie sie lernen, arbeiten und kommunizieren, und wie sie sich dabei von anderen Generationen unterscheiden. „Es ist der Anfang einer Konversation über die Chancen und Herausforderungen, die mit dieser neuen digitalen Welt verbunden sind“, sagt Gasser im Gespräch mit der FR. „Es ist geschrieben für jene Generationen, die nicht den gleichen Einblick haben in die Welt des Internets.“

Identität aus dem Netz

Es ist eine Welt, in der sich Zwölftklässler wie Basti mit traumwandlerischer Sicherheit bewegen: Etwa vier Stunden lang ist er nach der Schule jeden Tag im Netz, doppelt so lange wie der Durchschnittsdeutsche. Sein Handy ist immer an, er ist rund um die Uhr erreichbar. Er besitzt etwa 30 CDs, aber zehnmal so viele Alben im MP3-Format. Gegen Bezahlung bastelt er in seiner Freizeit Webseiten für andere Leute. Basti hat noch nie einen Computer zur Reparatur geben müssen. Einen neuen Hauptprozessor einzusetzen oder eine passende Grafikkarte zu finden, ist für ihn ein Klacks. Seit er zwölf ist, schraubt er an seinen Rechnern herum und behebt alle technischen Probleme selbst.

Er kauft kein Produkt, ohne sich vorher in Foren und Blogs die Meinungen anderer dazu angesehen zu haben. Jedes seiner Referate beginnt mit der Recherche bei Google und Wikipedia, gefolgt von Universitäts-Webseiten. „Für wirklich wichtige Arbeiten gehe ich auch in die Bibliothek“, sagt er.
Viele Ältere haben solche Verhaltensweisen adaptiert. Gasser und Palfrey nennen sie Digital Immigrants, eingewandert aus der analogen in die digitale Welt. Doch sie werden nie ganz wie die Natives leben, weil sie im Gegensatz zu denen nicht schon mit digitalisierten Fotos, Tagebüchern und Freundschaften aufwachsen, schreiben die Professoren. Nicht nur ihre technische Nutzung, sondern auch der Drang, ihre Identität vor allem im Internet zu entwickeln, unterscheide die Digital Natives von ihren Vorgängern.
Wer sich mal durch einige MySpace-Profile klickt und mit atombusigen GoGo-Girl-Avataren in Second Life spricht, weiß, was die Autoren meinen. Auf MySpace wimmelt es nur so von Profilfotos, die auch gut auf ein Plattencover passen würden. Fast alles ist gestellt, und zwar auf maximal cool. Und hinter den aufreizenden Model-Avataren stecken manchmal schüchterne 13-jährige Mädchen. So wie sich die Digital Natives darstellen, so wollen sie wahrgenommen werden. Pseudonyme wie „darkangel“ oder „electrogirl“ drücken aus, zu welcher Szene sie gehören wollen.
Ihre Tagebücher sind jedermann zugänglich und miteinander verlinkt. Gasser und Palfrey werfen den Digital Natives deshalb auch vor, mitunter wandelnde Datenschleudern zu sein. So zitieren sie etwa aus einer Studie von 2007, nach der 41 Prozent aller Facebook-Nutzer bereit sind, einem völlig Fremden persönliche Informationen mitzuteilen. Nina aus der Nähe von Bonn war auch mal so. Früher konnte jeder sehen, in welchem Ort sie lebte, wie sie aussah und unter welcher ICQ-Nummer sie erreichbar war. „Ich habe dann ständig Nachrichten von irgendwelchen Männern bekommen, die schrieben, wie hübsch ich doch sei.“ Nach einem Seminar in ihrer Schule änderte sie ihre Einstellung: „Eine Polizistin kam in die Klasse und erklärte uns, wie leicht es ist, jemanden anhand solcher Daten ausfindig zu machen und zu verfolgen.“ Seitdem ist Nina Datenschützerin in eigener Sache. Zwar ist die 19-Jährige Mitglied sowohl bei Facebook als auch bei SchülerVZ und StudiVZ, aber ihre Profile sind nur für Freunde einsehbar, die sie selbst eingeladen hat. Links auf Blogs oder Fotoalben gibt es bei ihr auch nicht. Wer sie googelt, findet nur Einträge zu einer anderen Person mit dem gleichen Namen. Das kontrolliert sie regelmäßig selbst, indem sie nach ihrem Namen und ihren diversen Email-Adressen sucht. „Ich will nicht, dass irgendeiner sieht, die wohnt da und da, ist Single und so weiter. Ich gebe nirgendwo mein richtiges Geburtsdatum oder meine Telefonnummer an. Wer die Daten kennen soll, kennt sie“, erzählt die Abiturientin.
 
Eltern sollen von Kindern lernen
 
Für Gasser ist das eine gute Nachricht. Denn je mehr das Internet zur wichtigsten Informationsquelle wird, desto wichtiger wird es, mit diesen Informationen umgehen zu können. Dabei machen die Digital Natives insgesamt eine gute Figur, sei es bei der langsam zunehmenden Sensibilisierung für den Datenschutz oder der überraschend gut ausgeprägten Fähigkeit, Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen zu können: „Je mehr man sich im Netz bewegt, desto größer ist interessanterweise die Kompetenz im Umgang mit dem Medium“, fasst Gasser entsprechende Studien zusammen. Wenn es etwa darum geht, die Qualität eines Wikipedia-Artikels zu überprüfen, nutzen diejenigen, die länger im Netz sind, diese Zeit auch, um die Quellen des Artikels zu überprüfen und zu vergleichen. 

Dass viele Menschen künftig praktisch rund um die Uhr online sein werden, ist Gasser und Palfrey bewusst. Schon jetzt nutzen zehn Millionen Deutsche das mobile Web, in Japan so gut wie jeder. Die Forscher fordern deshalb Eltern und Lehrer auf, „ihre Kenntnis der Digitaltechnik zu verbessern“ – dabei könne ihnen niemand so gut helfen wie die Digital Natives selbst. Erwachsene bräuchten unbedingt „ein eigenes Verständnis davon, wie diese Technologie funktioniert, die unsere Kids tagein, tagaus nutzen.“ Vor allem diejenigen, die immer noch diese rückständigen, langsamen E-Mails schreiben.
 
John Palfrey, Urs Gasser, Generation Internet, Hanser Verlag 2008.  

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Copyright © FR-online.de 2008
Dokument erstellt am 08.10.2008 um 16:52:02 Uhr
Letzte Änderung am 08.10.2008 um 17:55:49 Uhr
Erscheinungsdatum 09.10.2008

URL: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/magazin/?em_cnt=1610170&em_loc=105

10. Oktober 2008 at 12:56 pm Hinterlasse einen Kommentar


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